So färbt die Natur

Pflanzenfarben Vorschau

Im Sommer kümmere ich mich nicht nur gern um meine Rohwolle, ich färbe auch. Zumindest mit Pflanzenfarben. Viele von ihnen entwickeln während des Kochens recht intensive Gerüche und das kann in einer kleinen Küche schnell unangenehm werden. Da ist mein kleiner Garten doch besser dafür geeignet. Zudem muss ich draußen nicht ganz so sehr auf die Sauberkeit achten, wie drinnen.

Auch diesen Sommer habe ich wieder zum Färben genutzt und war diesmal sehr froh, dass die heißen Tage etwas später eintraten. Mit den heißen Flotten zu hantieren macht bei 36 °C nicht ganz so viel Spaß wie bei 25 °C.

Da ich eine Zeit lang recht viel an Pflanzenmaterial gesammelt habe, waren als erstes einige Testfärbungen dran. Hierbei habe ich nur kleine Mengen Pflanzen und Färbegut eingesetzt. Waren ja schließlich nur zum Testen, ob die Färbung überhaupt was taugt. Herausgekommen ist erwartungsgemäß sehr viel gelb. Aber seht selbst.

Testfärbungen Pflanzenfarben
Testfärbungen mit Pflanzenfarben

Gebeizt habe ich mit meiner Standardbeize aus 25 % Alaun und 5 % Weinstein und gefärbt habe ich Wolle – Kammzug und Garn – Seide und Baumwolle. Die Unterschiede zwischen den Fasern sind hier besonders schön zu sehen. Und was seht ihr hier nun? Von links nach rechts und von oben nach unten:

  • Wurmfarn: Das Verhältnis Färbegut und Pflanze war ca. 1:1.
  • Birke: Auch hier war das Verhältnis ca. 1:1. Die Färbung hatte ich schon mal gemacht, aber da lagen die Blätter zum Trocknen vermutlich zu lange in der Sonne. Das Ergebnis ist hier deutlich besser geworden.
  • Schöllkraut – 1. – 3- Zug von oben nach unten: Hier hatte ich die Pflanze in höherer Dosierung eingesetzt. Auch die Färbung hatte ich schon mal gemacht. Die Farbe vom ersten Zug finde ich genial. So ein schönes Goldgelb.
  • Dost – 1. und 2. Zug: Auch hier habe ich mehr Pflanze als Färbegut eingesetzt. Entsprechend intensiv ist die Farbe geworden. Bei einem Verhältnis von 1:1 dürfte die Farbe auch mehr ins Gelbliche gehen.
  • Ginster: Den Ginster habe ich 1:1 eingesetzt. Ich bezweifle, dass es sich um Färberginster gehandelt hat. Aber das ist ja im Prinzip egal.
  • Klette: Von der Klette hatte ich nicht besonders viel Material. Für eine schöne Färbung hat es trotzdem gereicht. Ich mag den Pfirsichton der Farbe. Da wäre auf jeden Fall spannend zu sehen, wie sich die Färbung bei einer höheren Konzentration entwickelt.
  • Liguster: Der Liguster ist die einzige Farbe, bei der ich mit Eisensulfat gebeizt habe. Sie ist zugleich die enttäuschendste Farbe. Kein Wunder. Der Farbstoff ist schließlich ein Anthocyan und auch wenn früher mit Liguster gefärbt wurde, ist die Färbung nicht der Mühe wert. Egal, ob mit frischen oder mit getrockneten Beeren.
  • Efeu: Auch vom Efeu hatte ich nur sehr wenig Material. Die Farbe ist daher recht blass. Aber ich denke, auch diese Färbung muss ich nicht noch einmal wiederholen.
  • Rote Zwiebelschalen – mehrere Züge: Da Zwiebelschalen sehr intensiv färben, habe ich bewusst weniger eingesetzt. Es hat trotzdem für einige Züge gereicht. Beim ersten Zug (rechter Kammzug oben) ist tatsächlich ein leichter Grünstich erkennbar. Bei höherer Konzentration wäre er vermutlich stärker. Mit den weiteren Zügen variiert die Färbung. Das hatte ich schon bei den gelben Zwiebelschalen beobachtet und finde das einen recht netten Effekt. Ganz unten in der Reihe seht ihr die Baumwolle.
  • Weidenrinde: Und zu guter Letzt noch die Weidenrinde. Mit ihr hab ich schon öfter gefärbt und ich habe sie nur angehängt, weil ich eine Holzbeize aus Weidenrinde angesetzt hatte und nicht alles davon einengen wollte. Also habe ich kurzerhand die Lösung genommen und mit ihr gefärbt. Zunächst habe ich nur etwas Pottasche hinzugegeben und damit zwei Züge gefärbt. Anschließend habe ich nochmals Pottasche hinzugegeben und nochmals drei Züge gefärbt. Auf dem Bild sind rechts von oben nach unten 1. Zug, 2. Zug, 5. Zug, 3. Zug und links daneben die Baumwolle (4. Zug).

Mein Fazit zu den Färbungen ist, dass sich die meisten Farben mit den typischen Färberpflanzen reproduzieren lassen. Man muss also nicht zig verschiedene Pflanzen horten.

Der zweite Schwung an Färbungen ist an unserem mittlerweile jährlichen Färbetag entstanden. Geplant und umgesetzt war dieses Mal Tagetes und Blauholz. Da die Blauholz-Flotte aufgrund fehlender Erfahrungswerte recht hoch konzentriert war, habe ich noch einige Testfärbungen und Überfärbungen damit gemacht. Gebeizt wurde wieder mit der Standardbeize.

Auf dem linken Bild seht ihr die verschiedenen Garne (Mischung aus Wolle/Seide/Ramie und reine Seide in verschiedenen Stärken) aus verschiedenen Zügen mit Blauholz, eine Doppelfärbung mit Tagetes und Blauholz, Tagetes pur und Tagetes mit Zugabe von Eisenwasser. Das rechte Bild zeigt verschiedene Kammzüge. Der linke Kammzug wurde mit Alaun gebeizt, der daneben mit Zinnchlorid. Man sieht hier sehr schön, wie die Beize die Färbung beeinflusst. Die übrigen Kammzüge sind Überfärbungen vorheriger Färbungen. Meine größte Erkenntnis bei diesen Färbungen war, dass sich meine Waschmaschine nicht zum Spülen von Wolle eignet. Die Kammzüge sind ziemlich angefilzt.

Dem Färbetag habe ich auch noch ein paar Testfärbungen angeschlossen. Hauptsächlich deswegen, weil ich noch Garn vom Färbetag übrig hatte. Rausgekommen sind folgende Farben.

  • Schilfblüte: Die Schilfblüte habe ich in recht hoher Konzentration – 400 g gefroren auf 20 g Garn – eingesetzt. Den ersten Strang für den ersten Zug habe ich mit Alaun gebeizt und den zweiten für den zweiten Zug mit Eisen.
  • Bartflechte: Die Bartflechte habe ich, ebenso wie die folgenden Färbungen, sehr niedrig dosiert. Und zwar 5 g auf 20 g Färbegut. Anhand der Bilder könnt ihr schön sehen, wie ergiebig die Farbstoffe sind.
  • Sandelholz: Mit der Sandelholzflotte konnte ich ganze drei Züge färben. Ich mag sehr, dass die Farbe der ersten beiden Züge, entgegen den Färbungen, die man so im Netz findet, so schön intensiv ist. Könnte aber an der Verwendung des richtigen Lösungsmittels liegen.
  • Ratanhiawurzel: Die Ratanhiawurzel war mir, bis ich sie kaufte, unbekannt als Färbepflanze. Umso mehr hat mich das Ergebnis und die Ergiebigkeit überzeugt.
  • Faulbaumrinde: Die Faulbaumrinde gehört auch eher zu den Standardfärbemitteln. Die Farbe gefällt mir auf jeden Fall sehr und wie man sieht, ist sie auch sehr ergiebig.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit den Färbungen und ich bin wieder einen Schritt weiter bei meiner persönlichen Zusammenstellung an lohnenswerten Färberpflanzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.