Buntes aus dem Glas

Glasfärberei

Wie so viele Spinnys färbe ich meine Fasern und Garne auch selbst. Am liebsten mit Pflanzenfarben, aber gern auch mit Säurefarben. Normalerweise färbe ich dabei im Topf oder „bemale“ (das Wort ist in den meisten Fällen schon ziemlich übertrieben) die Fasern/das Garn auf einem Blech und schiebe das Ganze in den Ofen. Als in der Spinngruppe zur Sprache kam, dass chantimanou ein neues Video über das Färben in Einweckgläsern gemacht hat, war ich durchaus interessiert, wollte ich doch schon immer Pflanzenfärbungen in der Mikrowelle machen.

Annattofärbung vorher
Vorbereitete Annattofärbung

Als dann die Gläser aus der Sammelbestellung da waren, schaute ich kurz in besagtes Video rein, entschied mich aber schnell dafür, die Färbungen entsprechend meiner Kenntnisse und Erfahrungen durchzuführen. Zuerst war die Pflanzenfärbung dran, die quasi eine effektivere Solarfärbung sein sollte. Anders als bei einer Solarfärbung nahm ich mit Alaun, Kupfer- und Eisensulfat gebeizte süddeutsche Merinowolle, die ich noch von der letzten Färbesession übrig hatte. Warum? Weil es einfach sinnvoller ist (hat was mit dem chemischen Hintergrundwissen zu tun und wird vielleicht noch an anderer Stelle erklärt). Gefärbt wurde mit Annatto. Also alles abwiegen, Wolle anfeuchten und ins Glas schichten. Dann noch Mikrowellenfolie drauf und in die Mikrowelle.

Und an diesem Punkt zeigten sich die Probleme meines Vorgehens.

Problem Nummer 1: Man sollte definitiv in mehreren Abschnitten und auf maximaler Power färben. Sonst gibt es eine ziemliche Sauerei. Als sinnvoll haben sich ca. 30 min in 5 min-Abschnitten erwiesen. Also 5 min erhitzen, abkühlen lassen, 5 min erhitzen, abkühlen lassen, etc. Längeres oder kürzeres Färben wirken sich hierbei auf die Stärke der Färbung aus.

Färben im Glas
Vorbereitete Säurefärbung

Problem Nummer 2: Folie gut befestigen, z. B. mit einem Stück Schnur. Wenn das Wasser anfängt zu kochen, verrutscht sonst die Folie und es geschieht das aus Punkt 1.

Problem Nummer 3: Folie einstechen, sonst folgt Punkt 2 und Punkt 1.

Nach Optimierung der Färbemethode war die Färbung mit Säurefarben dran. Diesmal mit BFL/ Seide vom Wollschaf (B-Ware). Auch hier habe ich die Faser erst gut gewässert. So nimmt sie einfach die Farbe besser auf. Dann erst etwas von der Faser ins Glas gestopft, Farblösung im Messbecher angerührt und ins Glas geschüttet. Ich glaube, ich bin die einzige Färberin, die den pH-Wert der Farblösung vorm Färben kontrolliert. Wenn man aber weiß, was zu viel Säure mit der Faser anrichtet, weiß man auch, warum das sinnvoll ist. Viel hilft eben nicht immer viel. Dann kam wieder Faser ins Glas. Mit der behandschuhten Hand etwas nachgestopft und wieder Farblösung drüber. Und das ganze bis das Glas voll war. Danach das gleiche Prozedere wie bei der Pflanzenfärbung. Allerdings sind hier insgesamt 10-15 Minuten ausreichend.

Färbungen nachher
Färbungen nachher

Zum Schluss habe ich natürlich die abgekühlten Gläser ausgeleert, die Fasern ausgespült, geschleudert und getrocknet.

Mein Fazit: Die Ergebnisse sind toll geworden. Zur Pflanzenfärbung kann ich sagen, dass es eindeutig sinnvoller ist, das Glas in die Mikrowelle als in die Sonne zu stellen. Man muss nicht hoffen, dass es warm genug wird und das passiert, was man möchte, sondern hat die Garantie, dass die Faser auf jeden Fall gefärbt wird. Ich persönlich würde/werde aber nächstes Mal fertiges Garn nehmen. Es macht nämlich nicht sonderlich viel Spaß, die ganzen Pflanzenteile aus der Faser zu klauben.
Diese Art der Färbung mit Säurefarben hat durchaus ihre Daseinsberechtigung.  Besonders für Farbverläufe ist es doch recht praktisch. Komplett gleichmäßig durchgefärbte Garne und Fasern kann man damit aber nicht erhalten. Auch Effekte wie beim „bemalen“ auf dem Blech wird man nicht erreichen können.

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