Frisch vom Schaf – Rohwolle vorbereiten

Rohwolle

Die Sommerzeit ist für mich Rohwollverarbeitungszeit und während ich bei den noch angenehmeren Temperaturen draußen saß und mein Coburger Füchschen zupfte und sortierte, dachte ich mir, ich könnte mal etwas über die Vorbereitung von Rohwolle für die Weiterverarbeitung schreiben. Natürlich weiß ich, dass es da schon zig Beiträge in den Weiten des Internets gibt. Meist von Leuten mit großen Gärten und genügend Abstand zu den Nachbarn. Zwei Dinge, die ich nicht habe. Zwar habe ich einen Garten, der ist allerdings recht bescheiden in seiner Größe. Einen eigenen Wasseranschluss gibt es da auch nicht. Und meine Nachbarn hocken mir auch quasi auf der Pelle. Immerhin sind die aber nicht so geruchsempfindlich, was eben auch bei der Rohwollverarbeitung von Vorteil ist. Denn mit ungewaschener Rohwolle hat man immer einen schönen Streichelzoogeruch im Haus. Auch sonst ist das nicht unbedingt etwas für empfindliche Menschen. Aber dazu weiter unten mehr.

Die Idee war also da, stellte mich aber vor ein gewisses Problem. An Rohwolle mangelt es mir nicht, allerdings ist diese bereits gewaschen, und ich hatte nicht wirklich vor, nochmal größere Mengen anzuschaffen. Wenn man aber darüber schreiben möchte, bietet es sich irgendwie an, auch ein paar Bilder davon zu machen. Fündig wurde ich letztlich beim Auersmacher Wollfest bei Wolkol. Zwischen den Tüten mit Texel, Alpaka, Lammwolle und Co. stand auch eine Tüte mit Spælsau (na, wer weiß wie es richtig ausgesprochen wird?), die zu mir wollte. Die Wolle stand schon länger auf meiner Nice to have-Liste, auch wenn sie an sich nichts Besonderes ist, ist nur relativ selten zu bekommen. Spælsau gehört zu den nordischen Kurzschwanzschafrassen, wie auch Heid- und Moorschnucken, Skudden, Gotlandschafe oder Islandschafe (weshalb der Hype um diese etwas sehr übertrieben ist).

Nachdem das Thema Wolle besorgen abgehakt werden konnte, konnte ich mich ans Verarbeiten machen. Wie ich dabei üblicherweise vorgehe, könnt ihr nun hier lesen.

Zunächst einmal breite ich die Wolle aus und sortiere sie grob. Grob im Sinne von Pflanzenteilen, kotverklebte Stücke und Insekten (Ekelgefahr!). Letzteres hatte ich dieses Mal nicht drin, kann aber vorkommen. Zwar kann man hier auch gleich den Nachschnitt aussortieren und gleich nach Qualität sortieren, das ist mir persönlich für den Schritt zu viel Aufwand, weshalb die Wolle danach gleich zum Waschen weiter wandert.

Hier habe ich auch schon einiges ausprobiert. Im großen Bottich im Garten, was sich aufgrund des fehlenden Wasseranschlusses als schwierig gestaltet und mir persönlich auch zu unhandlich ist. Besagte Coburger Fuchswolle habe ich mittels Fermentation gereinigt. Das Ergebnis finde ich durchaus überzeugend, doch aufgrund des Geruches (trotz toleranter Nachbarn und einer gewissen berufsbedingten Geruchsresistenz) und der Gefahr, dass man nachher viele kleine Insektenlarven drin schwimmen hat (denn ganz ehrlich, die finden ja doch immer ein Löchlein), ist auch das für mich nicht wiederholungswürdig.

Letztlich wasche ich Rohwolle mittlerweile portionsweise. Dafür habe ich mir das Sieb Idealisk bei Ikea besorgt, in das ich die Wolle lege, um diese dann in der Spüle bzw. im Waschbecken wasche. Das Sieb hat verstellbare Griffe, was zum Abtropfen lassen des Wassers sehr praktisch ist. Zum Waschen selbst weiche ich die Wolle mit warmen Wasser – wärmer als handwarm, aber nicht zu heiß – und ein paar Tropfen Spüli oder Wollwaschmittel – vorzugsweise das von Frosch, weil ohne Lanolin und intensive Duftstoffe – ein, bis das Wasser deutlich abgekühlt ist. Je nach Verschmutzungsgrad, mache ich das dann 3-mal oder mehr. Eben solange bis das Wasser weitestgehend sauber ist. An dieser Stelle verstärkt sich der Streichelzoogeruch erst einmal und verteilt sich schön in der Wohnung. Deswegen ist das eben eine bevorzugte Arbeit für den Sommer. Da kann man dann wenigstens durchlüften. Ich weiß natürlich, dass es „supertolle“ Wollwaschmittel von Eucalan und Unicorn gibt, aber da bin ich schlicht mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis nicht zufrieden.

Anschließend die Wolle noch mit klarem, warmem Wasser spülen. Die gesamte gewaschene Wolle mache ich in ein Wäschenetz zum anschließenden Schleudern. An dieser Stelle hätte ich jetzt die Wäschenetze von der dm-Eigenmarke profissimo empfohlen. Allerdings habe ich gerade gesehen, dass sie diese vor einigem Monaten von Kordelverschluss zu Reißverschluss umgestellt haben und ich damit keine Erfahrung habe. Was ich an den Netzen, jetzt mal ganz unabhängig vom Verschluss, mag, ist dass sie engmaschig sind. Damit eignen sie sich auch prima als Färbebeutel fürs Pflanzenfärben.

Jedenfalls kommt der Wäschesack mit der Wolle in die Schleuder. Und zwar in die Standschleuder, die anders als die Schleuder in der Waschmaschine wie eine große Zentrifuge funktioniert. Man bekommt damit ordentlich Wasser aus der Wolle und es besteht trotzdem keine Verfilzungsgefahr. Also definitiv eine Empfehlung für diejenigen, die den Platz dafür haben. Es gibt sie übrigens in unterschiedlichen Größen und auch als Tischschleuder. Zum Trocknen breite ich die Wolle auf einem Wäscheständer aus und wenn sie nicht zu dicht liegt, ist sie nach 1-2 Tagen trocken. Wer die Wolle draußen trocknen möchte, sollte sie auf jeden Fall  abdecken. Ich hatte durchaus schon Vögel, die mir Wolle geklaut haben, weil sie sie als Nistmaterial verwenden wollten.

Jetzt kommt der wirklich zeitraubende Teil, nämlich die Wolle sortieren. Bei Fasern wie Spælsau bedeutet das Nachschnitt aussortieren und Deckhaare von der Unterwolle trennen. Bei gut gewaschener Wolle lassen sich die einzelnen Locken aber gut voneinander trennen und die langen Deckhaare leicht aus der Unterwolle herausziehen.

Beim Coburger Fuchs gestaltet sich das etwas schwieriger. Hier ist die Wolle nach dem Waschen ziemlich zusammengepappt. Um Zeit zu sparen, könnte man sie sicher mit einem Wollpicker auflockern. Allerdings ist mir die Prozedur zu rabiat und am Ende habe ich zwar schön aufgelockerte Wolle, aber alle Qualitäten miteinander vermischt. Also zupfe ich. Dabei kann ich gleich wirklich verfilzte Stellen und gebrochene Fasern (passiert, wenn die Tiere Stress, z. B. durch Krankheit oder Geburt, haben) aussortieren. Zudem kann ich durch Fühlen gleich nach den unterschiedlichen Qualitäten sortieren und so das Beste aus der Wolle herausholen. Die Coburger Fuchs-Wolle habe ich so nach weich, mittel weich, mittel grob und grob sortiert. Man sieht zwar auf den ersten Blick nicht unbedingt einen Unterschied, aber man fühlt ihn auf jeden Fall.

So vorbereitet kann die Wolle nun gekämmt oder kardiert oder sogar gleich gesponnen werden. Aber das hebe ich mir für einen weiteren Beitrag auf.

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