Von Erwartungen und Selbstreflexion

Mittlerweile bin ich häufiger zum Helfen auf Märkten. Das ist gut, weil es gerade nach dem Tod meines Mannes einiges an Abwechslung bietet. Als Händler hat man gewissen Erwartungen an die Veranstalter, Selten werden diese komplett erfüllt. Wenn der Veranstalter es aber komplett vermasselt, erwartet man zumindest ein Mindestmaß an Selbstreflexion. Umso tragischer ist es, wenn das nicht stattfindet.

Über meine Freundin, die ich bei Märkten begleite, habe ich schon oft mitbekommen, dass nicht wenige Veranstalter völlig planlos und unorganisiert sind. Da werden Nachrichten nicht beantwortet oder keine Bestätigung über die Teilnahme mitgeteilt. Es werden Informationen verschlampt und vergessen, die Stände in den Standplan einzuzeichnen. Listen sind absolut unübersichtlich und alles unmöglich verkompliziert …

Am Tag der Deutschen Einheit fand einige Ortschaften weiter ein Kunsthandwerkermarkt statt an dem meine Freundin teilnahm. Hätte sie nicht erzählt, dass es diesen Markt nicht gibt, hätte ich es nicht gewusst. Sie hatte auch in der Strickgruppe und einigen Bekannten davon erzählt. Aber irgendwelche Informationen oder Werbung gab es nicht. Kein Artikel in der Zeitung, keine Plakate, keine Flyer, keine Beiträge im Social Media. ABSOLUT NICHTS! Lediglich in der Zeitung des Nachbarlandkreises gab es wohl angeblich irgendetwas. Entsprechend wussten nicht einmal die Bewohner des Ortes etwas.

Am Morgen beim Aufbau der Stände zeichnete sich die Planlosigkeit des Veranstalters ab, die ich grob schon von den Tuchmärkten im Hessenpark kannte (womit jetzt jeder weiß, von wem ich rede). Damals aber nur mit der Spinngruppe, nicht als Händler. Jedenfalls waren die Stände lose über das Gelände verteilt. Dass viele Händler nicht kamen, war offensichtlich. Warum man die anderen Stände nicht zusammen gerückt hat, bleibt unbeantwortet.

Da wie schon erwähnt nicht einmal ansatzweise Werbung gemacht wurde, hielt sich der Besucherandrang stark in Grenzen. Es war Feiertag, es war schönes Wetter. Daran lag es also absolut nicht. Im Gegenteil. Nicht wenige Besucher erzählten uns, dass sie von dem Markt nichts wussten und nur im Vorbeifahren mitbekommen haben, dass einer stattfindet. Da kam uns zugute, dass die Hauptstraße in den Ort gesperrt war und die Autofahrer durchs Gewerbegebiet am Markt vorbei fahren mussten.

Was aber die eigentliche Frechheit an dem Ganzen ist, ist das Agieren des Veranstalters. Bei Facebook kam die Frage, warum wohl keine Besucher kamen. Viele gaben an, dass die Spritpreise ja so teuer sind, was damit beantwortet wurde, dass ja auch keine Leute aus dem Ort, die zu Fuß hätten gehen können, gekommen sind und dass die Menschen einfach zu faul sind, raus zu gehen. Sehr oft kam das Thema Werbung. Antwort darauf: man dürfe ja nicht überall Plakate aufhängen und wer soll das überhaupt machen und außerdem ist das teuer und würde die Standgebühr erhöhen. Und eine besonders ekelige Person hat über arme Menschen, die auf Läden wie Kik und Tedi und das 9 €-Ticket angewiesen sind, abgelästert. Alles in allem fand zu keiner Zeit bei dieser Diskussion eine Selbstreflexion des Veranstalters, also desjenigen, der dafür verantwortlich ist, dass ein Markt gut läuft, statt. Und gerade das wäre wichtig, um Fehler zu erkennen und das nächste Mal zu vermeiden.

Aber ich ziehe für mich als Besucherin Konsequenzen aus dieser Veranstaltung und dem Agieren des Veranstaltys. Ich werde keine dieser Märkte mehr besuchen. Schließlich muss ich mir nicht sagen lassen, dass ich faul bin, nur weil ich nicht weiß, dass irgendein Markt stattfindet.

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